Wahrscheinlich kennen Sie Google Maps, richtig? Als dieser Dienst im Jahr 2005 an die Öffentlichkeit gebracht wurde, war es für einige Monate der Renner im Internet. Der aktuelle Hype in diesem Bereich ist "Geo-Tagging". Im Prinzip ist damit gemeint, einem bestimmten Inhalt einen konkreten Ort zuzuweisen.

Soziale Netzwerke wie Foursquare, die auf dem Prinzip von Geo-Tagging aufbauen, sind in den USA bereits sehr beliebt. Aber bisher verbreiten sich diese Plattformen in Europa nur mäßig und sind somit für Kampagnen weniger gut zu gebrauchen. Aber Sie können sehr einfach eine eigene Karte auf Ihre Website stellen und Ihre Unterstützer/innen können sofort damit anfangen Inhalte wie Fotos, Texte oder Videos online oder via Handys auf die Karte hochladen. Langweilig für die Nutzer/innen?

Plattformen wie Twitter oder Facebook haben erst kürzlich die Funktion des Geo-Tagging eingeführt, da dies immer beliebter wird. Damit können Sie ihren ganz eigenen ortsbezogenen Nachrichten-Stream erstellen und Content von diversen Online Plattformen remixen. Stellen Sie sich das Potential dieser Tools vor: Informationen, Nachrichten und alle denkbaren Online-Inhalte in Echtzeit auf einer Karte darstellen.

Aber wie kann das nun im Rahmen einer Kampagne aussehen?

Es ist selbstverständlich sehr hilfreich, um in der ersten Phase einer Katastrophe einen Überblick zu bekommen und Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Ein Beispiel dafür wäre die Haiti Earthquake Map. Aber auch kampagnenlastigere Anwendungen lassen sich damit umsetzen. Beispiel gefällig? Ich denke, die ideale Aufgabe für Geo-Tagging wäre, die Lücke zwischen online und offline schmaler zu machen. Die Menge der online verfügbaren Inhalte sind oft überwältigend und der einzige Weg damit umzugehen ist, sie zu filtern. Eine Art Inhalte zu filtern ist zu betrachten, wie relevant die Information für Sie im Moment ist - und zwar an Ihrer aktuellen Position.

Eine soziale Bewegung nutzt Geo-Tagging

Denken Sie an die deutsche Anti-AKW-Bewegung. Es gibt jedes Jahr viele dezentral organisierte und durchgeführte Aktionen, die darauf angelegt sind, den Castortransport mit hoch radioaktivem Abfall zu stoppen. Diese Castor-Transporte laufen auf einer geheimen Strecke durch das Land. Stellen Sie sich jetzt vor, es gäbe eine Karte, auf der Protestierende und Unterstützer/innen auf einfachste Weise die aktuelle Position des Castortransporters eintragen könnten.

Darüber hinaus gäbe es ortsbezogene Inhalte wie Bilder, Blog-Artikel, Statusmeldungen von Facebook oder Twitter und Videos. Alle dort angezeigt, wo sie entstanden sind. Andere durch die Problematik der nuklearen Abfälle beunruhigte Bürger/innen könnten den Transport auf der Karte verfolgen und sich vielleicht bewusst werden, dass die Strecke in ihrer direkten Nachbarschaft verläuft. Etwas, das sie vielleicht bisher nicht geahnt hatten. Es wäre nicht länger geheim, dass hoch radioaktiver Abfall auf Zügen und LKWs durch die eigene Region transportiert wird.

Die Karte könnte darüber hinaus lokal Engagierten Echtzeit-Meldungen schicken, wo der Transporter gerade ist und an welchen Aktionen und Demonstrationen die Personen teilnehmen kann. Wer also aktiv werden möchte, braucht nur einen Blick auf die Karte zu werfen. Was Geo-Tagging interessant macht ist, dass Inhalte im Netz eine komplett neue Dimension bekommen: den Ort an dem Inhalte entstanden sind oder auf den sie sich beziehen.

Jede protestierende Person mit einem Handy (oder besser noch einem Smartphone) kann Nachrichten, Fotos und Videos innerhalb von Sekunden hochladen - und im nächsten Moment werden sie auf der Karte angezeigt. Agiert die Polizei ungerecht oder brutal - schon ist es auf der Karte. Wird irgendwo der Castortransport blockiert - dann wird es auf der Karte sein. Das Ergebnis: der Castortransport wird eine Spur von Inhalten auf der Karte nach sich ziehen, die in chronologischer Weise betrachtet werden können.

Und wie können Sie das umsetzen?

Genug vom Szenario mit dem Castortransporter, der hier auch erstmal nur als Beispiel gedacht war. Eine weitere tolle Möglichkeit mit Geo-Tagging ist, dass Sie allen Ihre Daten in einem offenen und gut zu benutzenden Format zur Verfügung stellen können. Andere können dann mit eigenen Ideen darauf aufbauen. So wird das Ganze zum "Crowdsourcing" - zur Schwarmintelligenz. Also warum nicht andere Ihre Inhalte übernehmen und verarbeiten lassen?

Ein Weg um eine eigene Karte wirklich einfach umzusetzen ist Crowdmap, das auf der Plattform "Ushahidi" aufbaut. Um den Unterstützer/innen auch zu ermöglichen, per SMS Beiträge samt Location auf der Karte aufscheinen zu lassen, brauchen Sie einen speziellen Vertrag mit einem SMS-Provider oder eine eigene Installation einer Open Source Lösung. Ein recht neues Beispiel für die Verwendung der Ushahidi Plattform ist diese grafische Darstellung der UK-Budgetkürzungen.

In letzter Zeit gibt es einige Drupal Entwicklungen rund um solche Karten. Ein Beispiel dafür ist die Anwendung Managing News. Sie wurde entwickelt, um Nachrichten zu beobachten und zu filtern. Wir selbst benutzen Managing News, um verschiedensten Blogs und unterschiedlichen Projekten zu folgen und um mitzubekommen, was andere online über uns schreiben. Das Tool erstellt zum Beispiel diese Weltkarte von Artikeln rund um E-Campaigning, die von Blogs kommen, die wir mit Managing News beobachten.

 

HerdictWeb ist ein weiteres gutes Beispiel, wie Maps eingesetzt werden können. Das Projekt zeigt zensierte Websites auf einer Google Map an und lässt die Nutzer/innen Reports übermitteln, Reports bewerten und ein Browser Plugin herunterladen.