Bereits am 25. Oktober wurde die aktuelle Runde der NPO-Blogparade ausgerufen – und wie es halt so ist, hab ich zwar die ganze Zeit etwas schreiben wollen, es aber nicht getan... Nun wo so ziemlich der letzte Tag gekommen ist, um dies nachzuholen, möchte ich also meine Meinung los werden.
Die Frage zur 18. NPO-Blogparade, deren Gastgeber diesmal das Projekt fundraising2.0 ist, lautet:
Wie kann es gelingen, dass sich Freunde, Fans und Follower für uns auszahlen?
Wie kann es gelingen? Gefragt sind Erfahrungen und Tipps ebenso wie Erfolgsrezepte und Lessons learned. Gleichgültig welche sozialen Medien und Werkzeuge verwendet werden – wie können diese Unterstützer für eine Organisation, eine Einrichtung oder Initiative erfahrbar Nutzen stiften? Die Wortwahl “auszahlen” schränkt zunächst auf Geld ein, also z.B. den Kauf eines Tickets für ein Museum oder Theater, eine Spende oder den Abschluss einer Fördermitgliedschaft. Gerne kann das Auszahlen aber auch weiter interpretiert werden.
Bei klassischem Verständnis von Fundraising begrenzt sich die Bewertung der Tätigkeiten im Bereich Online-Fundraising auf das Geld. Damit ist eine Antwort recht einfach: "Es kann gar nicht gelingen, dass sich Freunde, Fans und Follower für uns finanziell auszahlen." Vielen Dank fürs Lesen... ;)
Da der Artikel damit allerdings recht kurz wäre und in der Frage ja die Möglichkeit offen gelassen wurde, das Wort "Auszahlen" auch weiter zu interpretieren, möchte ich das gerne machen.
Fundraising - mehr als Geldspenden
Denn sowohl "Fundraising" als auch "Auszahlen" müssen deutlich breiter gesehen werden. Fundraising sollte, auch wenn der Name etwas anderes vorgibt, als Hauptziel Beziehungsaufbau und -pflege bedeuten. Eine Organisation sollte transparent, ansprechbar und vertrauenswürdig sein. Dies muss kommuniziert werden und von Unterstützer/innen erlebt werden können. Und dies geht am einfachsten und kostengünstigsten über Online-Kanäle wie die eigene Website, Social Network Plattformen oder E-Mail.
Das Auszahlen kann nicht nur finanzieller Natur sein, wie es bei der Geld-Spende oder der Mitgliedschaft der Fall ist. Unterstützer/innen können den Organisationen, denen gegenüber sie eine gewisse Verbundenheit oder gar Loyalität verspüren, auch Zeit spenden. Oder für sie Informationen weitertragen. Oder andere motivieren, aktiv zu werden oder zu spenden.
Visionen und politische Ziele
Weiter denke ich, sollten gerade NGOs nicht nur den finanziellen Part sehen, sondern vor allem ihre Vision und ihre politischen Ziele. Klar, dass eine Organisation finanziert sein will und weiter bestehen sollte. Aber ebenso klar, dass eine Änderung der Welt nicht nur Änderungen in Politik und Wirtschaft erfordern, sondern sehr häufig vor allem eine Änderung im Verhalten der Menschen. Etwas, das eine Organisation nicht in Geld oder Mitgliedschaften messen kann.
Und damit sich Menschen ändern können, müssen Sie sich mit einem Thema beschäftigen. Viele müssen sich mehrmals damit beschäftigen. Und ein Rück-Kanal, also die Möglichkeit eine Frage oder ein Kommentar zu einer Aussage abgeben zu können, ist oft sehr hilfreich. Denn Verhaltensänderungen setzen eine Meinungsbildung voraus - zumindest wenn es eine dauerhafte und bewusste Verhaltensänderung sein soll.
Eine Spielerin alleine ist kein Fussball-Team
Und last but not least der kurze Hinweis darauf, dass Online-Fundraising oder E-Campaigning oder Social Media Aktivitäten nie für sich alleine genommen betrachtet werden sollten. All diese Tools oder Optionen sind nur im Verbund mit vielen weiteren Kanälen und Methoden wirklich wirksam. Die Erfahrungen im Multi-Channel-Fundraising zeigen beispielsweise, dass Menschen, die kurz nach einem (Brief-)Mailing einen Anruf oder eine E-Mail erhalten, zum Teil deutlich mehr spenden. Und zwar mit dem Überweisungsträger, den sie per Brief erhalten haben. Dort läuft also kein Geld über eine E-Mail oder über das Telefon zurück. Betrachtet man diese Kanäle also alleine, so bringen sie subjektiv nichts.
Das Organisationsziel zu erreichen, zahlt sich aus
In Summe bin ich also der Meinung, dass sich Follower, Fans und Freunde für Organisationen auf jeden Fall auszahlen. Online-Fundraising alleine zahlt sich finanziell wenn überhaupt in sehr geringem Umfang aus, im Bezug auf Multi-Channel-Fundraising schon deutlicher, aber in Bezug auf das Erreichen der Organisationsziele könnten sich unsere Online-Unterstützer/innen als die wichtigste und vielversprechendste Ressource erweisen. Denn Meinungsbildung, Informationssuche und Medienkonsum, also die Voraussetzungen für eine Verhaltensänderung und damit für ein Erreichen der Vision von NGOS, verlagert sich immer mehr ins Internet.